Angst vor Neuem: „Dafür bist du einfach nicht gut genug!“ - Sitzung mit Britta
Britta hat ihren Job gekündigt und nimmt sich eine Auszeit, um sich neu zu orientieren. Sie hat die Idee, freiberuflich zu arbeiten, das macht ihr aber große Angst.
Ihre Angst macht die Schultern, den Brustkorb und den Bauch eng, sie fühlt einen Klumpen im Kopf. Das alles lässt sie auf eine spezielle Art erstarren. Ihre Gedanken erzählen ihr: „Das schaffst du nie. Dafür bist du einfach nicht gut genug!“ Ich frage sie: „Stimmt das? Entsprechen diese Gedanken deiner Wahrheit?“ Damit kommt sie aus ihren Glaubenssätzen raus und fängt an, sie zu überprüfen: „Nein. Ich habe keine Ahnung, ob ich es schaffe. Und ich finde meine Arbeit manchmal sogar ziemlich gut. Auf jeden Fall nicht schlechter als die der Anderen.“
Ich bitte sie, so gut sie es gerade kann, die Schultern, den Brustkorb und den Bauch zu entspannen und dann ihre eigene Wahrheit, die ganz neue Optionen aufmacht, sich selbst zu sagen: „Keine Ahnung, ob ich es schaffe. Auf jeden Fall bin ich nicht schlechter als die anderen und manchmal finde ich meine Arbeitsergebnisse richtig toll.“ Sie atmet weich dabei und zusammen mit der Entspannung entsteht ein ganz neuer Flow. Ich bitte sie, wirklich zu fühlen, was sie da sagt und das Gefühl reinzulassen. Es soll in ihrem emotionalem System und im Körper ankommen.
Nach einer Weile bitte ich sie, zu formulieren, was sie sich wünscht oder gerne will: „Ich wünsche mir freiberuflich zu arbeiten. Ich will es wenigstens versuchen.“ Auch diesen Satz sagt sie sich laut und atmet weich dabei. Er triggert viel Angst und ich bitte sie, die Angst nicht wegzumachen und einfach nur wahrzunehmen und bei dem Satz zu bleiben. Langsam fängt das Gefühl an, sich zu ändern und als ich sie wieder frage, wie es sich gerade anfühlt, sagt sie: „Da kommt Neugierde mit rein. Die Angst ist noch da, nicht mehr so stark.“ Ich bitte sie, auch damit nichts zu machen und es einfach wahrzunehmen. Dann berichtet sie verblüfft: „Jetzt fühlt es sich vor allem aufregend an!“ Bei dieser Aufregung bleibt sie auch eine Weile. Sie ist eine körperliche Energie, die ein Bruseln und Kribbeln in ihr erzeugt.
Nach der Sitzung steht sie aufrecht und fühlt sich gut geerdet und kraftvoll, ihr Kopf ist klar. Sie wirkt sehr präsent und lacht: „Am tollsten war es, als die Angst sich in Aufregung verwandelt hat.“ Sie hat jetzt Lust, direkt loszulegen.
Ich gebe ihr noch den Tipp, in der gleichen Art, wie ich mit ihr gearbeitet habe, zuhause weiter zu machen. Glaubenssätze verschwinden nicht in einer Stunde. Meine Idee dabei ist es, dass ihre eigene Wahrheit emotional stärker werden und regelrecht in den Zellen ankommen soll.
Fachliche Einordnung:
Unsere Gedankenmuster sind oft brutal. „Dafür bist du einfach nicht gut genug“, kennen wahrscheinlich die meisten Menschen. Der Satz kann wirken wie ein Gefängnis, denn wir haben die Tendenz, unseren Gedanken zu glauben und danach zu handeln. Es ist sehr wirkungsvoll, sich zu fragen, ob das denn eigentlich stimmt. Ich erlebe es oft mit Klienten, dass sie entdecken, dass ihre Gedanken bloß einem Automatismus folgen und mit uns und unserer Wahrheit nur wenig zu tun haben. Unsere eigene Wahrheit ist relevant und will und sollte unbedingt gestärkt werden.
Beim “Stärken stärken” arbeite ich oft mit dem Pantarei Approach.