Scham und Schuldgefühle - Sitzung mit Markus

Markus hat eine körperliche Symptomatik, die nach Außen sichtbar ist. Er schämt sich andauernd damit und hat auch Schuldgefühle, ganz gleich, ob er gerade mit anderen Menschen zusammen oder allein ist. Diese Gefühle sind seit langer Zeit seine ständigen Begleiter und beeinträchtigen ihn sehr in seinem gesamten Handeln und Denken.

Wenn die Scham bei ihm extrem aktiv ist, sackt er insgesamt ein. Die Schultern gehen nach vorn, der Kopf senkt sich und es ist für ihn, als senke sich ein großer Schirm oder eine Glocke komplett über ihn. Darin fühlt er sich etwas sicherer vor der Außenwelt. Gleichzeitig aber auch abgeschnitten, getrennt, allein, so, als sei er ein Kind und wie gefangen in dieser Atmosphäre. Er weiß dann nicht, wie er aus dieser Glocke wieder raus kommt und es kann einen oder mehrere Tage dauern, bis er diesen Gefühlskomplex hinter sich lassen kann.

Ich arbeite zuerst an den relevanten Körperregionen, damit sie leichter entspannen können und er fühlt sich insgesamt freier. Danach bitte ich ihn, sich hinzustellen und ein bisschen im Zwerchfell einzuknicken (das passiert in dem Schamgefühl automatisch). Kurz danach ziehen sich unwillkürlich die Schultern und der Brustkorb zusammen und der Kopf senkt sich. Noch einen Moment später sagt er: „Jetzt setzt die Scham ein und auch das Schuldgefühl.“ Ich bitte ihn dann, aus dem Knick im Zwerchfell raus zu gehen und sich aufzurichten. Kurz darauf folgt ein tiefer Atemimpuls. Der Kopf geht dann auch direkt hoch. Nach einer Minute berichtet er verblüfft: „Das Schamgefühl ist jetzt fast weg, die Schuld auch“.

Das Gleiche wiederholen wir noch zwei Mal. Jedes Mal setzt das Schamgefühl ein, wenn der Oberkörper einknickt und verschwindet wieder, wenn er sich aufrichtet.

Unser kleines Experiment hat Markus sehr motiviert, sich im Alltag wirklich oft aufzurichten und er berichtet mir bei unseren nächsten Termin ganz glücklich, dass er dadurch in der letzten Zeit nur noch 20% des Schamgefühls erlebt, das ihn normalerweise begleitet.

Fachliche Einordnung:

Markus hat so sehr unter dem Scham- Schuldgefühl gelitten, dass er mir erzählt hat, er habe sich täglich 20 bis 30 Mal aufgerichtet. Oft passt die Idee „Mehr bringt mehr“ nicht, in diesem Fall hat sie Markus aber geholfen innerhalb weniger Wochen sein unangenehmes Lebensgrundgefühl wirklich zu ändern.

Du möchtest mehr über die Grinberg Methode erfahren? Hier findest du alles, was du wissen musst.

Zurück
Zurück

Angst vor Neuem: „Dafür bist du einfach nicht gut genug!“ - Sitzung mit Britta

Weiter
Weiter

Auf Augenhöhe – Sitzung mit Paula